Verstaubte Dinger aus der Ecke

Wenn ich mich abends nach einem langen Tag mit einem Minztee mit Honig und einem tiefen „Uffz“ seufzend neben den roten Kuschelkater aufs Sofa fallen lasse, erspähe ich sie schon: Meine lila Yoga-Matte, die zusammen gerollt neben der TV-Bank in der Ecke steht. Eigentlich wird sie ausschließlich nur dann bewegt, wenn sich der Staubsauger seinen Weg in die hintersten Winkel bahnen muss. Leider. Denn so ein paar Yoga-Übungen zuhause wären für die Regeneration meines Beckenbodens und sicherlich auch als Stärkung für meinen beanspruchten Rücken eine prima Idee. Schaffe ich nur einfach nicht. Zu platt, zu müde, zu faul – nach mehr als 12 Stunden Entertainment für die zwei kleinen Racker kann ich mich nicht mehr für sportliche Aktivitäten begeistern, sondern bin froh, wenn die Energie noch für ein paar Worte mit Mann und ein paar Streicheleinheiten für die Miezen reicht.

Es ist nicht nur die lila Yogamatte, die geduldig auf ihren nächsten Einsatz wartet. Von diesen Dingen, die in der Wohnung herum stehen oder liegen und lediglich beim Putzen von A nach B gerückt werden, und eigentlich doch für solch schöne Betätigungen wie Sport oder Wellness geeignet wären, haben wir ein paar.

Kerzenlicht und Badeschaum

Kerzen zum Beispiel. Ich bewundere wirklich jeden, der es schafft, das Wohnzimmer abends in ein kleines, romantisches Lichtermeer aus Kerzenschein zu verwandeln. Wir haben natürlich auch Teelichter und ein paar Stumpenexemplare auf Regal und Fenstersims stehen – zum Teil sogar in wirklich schönen und selbst gemachten Glasgefäßen. Aber ein Feuerzeug oder Streichholz holen und die Dolchte zum Brennen zu bringen, krieg ich einfach nicht hin. Ich hab es irgendwie nicht auf dem Zettel bzw. versumpfe dann wieder in anderen Dingen und wenn ich dann daran denke, ist es meist schon nach 22 Uhr, und das Bett schreit ganz laut.

Badeschaum und Duschgels, auch so ein Thema. Ich bin ja schon froh, wenn es mir morgens gelingt, im Schnelldurchlauf eine 1,5-Minuten-Shower-Power aufs Parkett zu legen, während die Schlafraubtiere frühstücken, spielen oder Chaos in der Wohnung veranstalten. Ausgiebige Badesessions und Körper-Eincreme-Zeremonien? Pustekuchen, schaffe ich nie. Und so verstauben wohl riechende Rituals-Düfte und Bodylotions leider ungenutzt im Badezimmerschrank. Schade drum. Von den Massage-Ölen, die sich ebenfalls in diesem Schränkchen befinden und für zarte Zweisamkeitmomente dienlich sein sollen, ganz zu schweigen. Ob bei diesen das Haltbarkeitsdatum nicht schon längst überschritten ist, wage ich zu bezweifeln.

Ne Massage wär‘ der Hit!

Ich gebe die Hoffnung aber nicht auf, dass ich irgendwann auch wieder die Zeit und Muße haben werde, all diesen wundersamen Dingen wieder mehr Beachtung zu schenken. Der Yoga-Matte, romantischem Kerzenschein und einer erholsamen Badewannen-Auszeit am Feierabend. Deshalb ist es auch noch gar nicht so lange her, dass ich im Laden einen grauen Igel-Ball erstanden habe. Laut Verkäuferin ein großartiges Helferlein, um sich am Abend nach einem anstrengenden Tag vom Partner eine kleine Nackenmassage zu gönnen oder – falls man das nicht schafft – sich selbst eine Fußreflexzonenmassage zu verpassen, indem man ihn auf den Boden packt und mit den Füßen abwechselnd darauf hin und her rollt. Am besten immer direkt vor dem Sofa oder zumindest in Reichweite liegen lassen, meinte sie, dann denkt man automatisch dran. Fantastisch dachte ich mir, genauso etwas brauch ich auch.

Massiert hat mich der Mann damit tatsächlich schon das eine oder … naja, das eine Mal eben – es wird also, wenn auch in überschaubarem Maße. Und wo ich jetzt gerade hier so schreibe, wären so ein paar Rollbewegungen für meine Füße tatsächlich eine gute Idee – aber wo, verdammte Axt, steckt jetzt bloß dieser verflixte Ball??

 

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