Und wo bleib ich? Gedanken in grauen Wintertagen

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Graue Wintertage wie in den letzten Wochen können einen leicht in depressive Gemütslagen versetzen, das ist ja bekanntlich nichts Neues. Gesellen sich dann noch die über die Feiertage angesammelten 2-3 Kilo mehr auf der Waage, Schlafentzug durch zahnende Söhne und doofe Kommentare von unfreundlichen Mitmenschen dazu, sinkt das Stimmungsbarometer schnell in den Minusbereich. Antriebslosigkeit ist auf dem Vormarsch, und man möchte sich am liebsten von morgens bis abends unter der Bettdecke verkriechen und den Schalter ‚Leben‘ einfach mal kurz auf Standby-Modus stellen. Kennt ihr das auch?

Auch, wenn es sich jetzt nach dem Vorwort eines Ratgebers in Sachen Burn Out und Co. anhören mag, ganz so schlimm ist es natürlich nicht. Mir erschien dieser Januar jetzt nur irgendwie grauer als die Jahre davor, träger, und es fiel mir schwerer als sonst, meine Neujahrsenergie wieder aus den Ferien zu holen. Ferien, das ist das Stichwort: Die Zeit zwischen den Jahren war nämlich entspannter denn je. Nicht nur wir Eltern, sondern auch die Kinder kamen nach den Feiertagen so richtig zur Ruhe und genossen es in vollen Zügen, gemeinsam im Pyjama in den Tag hineinleben zu können. Wir tauschten das Gehetze vom Alltag in stundenlanges Vorlesen auf dem Sofa ein, und ich merkte das Ausmaß der Entspannung erst so richtig, als ich mir ernsthaft die Frage stellte, ob alles nicht viel einfacher und stressfreier wäre, würde ich nicht arbeiten, sondern zuhause bleiben.

Jetzt könnte man wieder tausend Gegenargumente nennen, wie Finanzen und Ausgleich, und natürlich würde ich auch nicht aufhören wollen zu arbeiten. Mir ging es lediglich um die Einsicht und Feststellung, dass weniger oder nicht arbeiten vermutlich auch weniger Trubel bedeuten würde. Wenn es egal wäre, ob man morgens ’ne halbe Stunde früher oder später zur Tür raus kommt, und es auch nichts ausmacht, wenn zum 10. Mal in Folge das eine oder andere Kind erkrankt. Punkt.

Beschäftigt man sich im Rahmen seines eigenen Podcast-Babys dann noch mit spannenden Themen wie der Gewaltfreien Kommunikation, die einen die gesamte Alltagssprache mit den Kindern komplett neu überdenken lässt, fängt man erst recht zu grübeln an. Und besser wurde das mit dem Nachdenken auch nicht, als mir – zurück im Büro – eine Lieblingskollegin dann einen Podcast ans Herz legte, der sich mit dem Thema „Entfremdung“ beschäftigt. Und der genau davon erzählt, dass unser aller Leben so viel schneller, hektischer und stressiger geworden ist. Dass Ansprüche und Erwartungen unseren Alltag bestimmen, denen wir tagtäglich irgendwie versuchen, gerecht zu werden. Dass alles immer noch besser, effizienter, zeitsparender und zielgerichteter passieren soll. Ein Druck, dem man jeden Tag ausgesetzt ist.

Ich weiß nicht, ob mich ein Selbstversorgerleben irgendwo auf dem Land mit Schafen und Ziegen wirklich glücklicher machen würde. Aber denke ich an meine Kindheit zurück, so erinnere ich mich gut an das Warten auf den freien Schalter im Postamt, beim Metzer oder Bäcker, und an den Ratsch, den meine Mama im Supermarkt mit der Kassiererin führte. Gefühlt war das alles eine andere Geschwindigkeit, und das Leben hat ja trotzdem funktioniert – wenn vielleicht auch… gemütlicher. Ohne Smartphones und unserem heutigen „alles ist immer und jederzeit möglich“ Zeitalter. Durch das Internet ist unsere Welt schneller geworden, Informationen sind binnen Sekunden abrufbar. Ich möchte das nicht schlecht reden, es regt mich nur zum Nachdenken an, und ich stelle mir die Frage, was ich tun kann, um in meinem Alltag ein wenig zur Ruhe zu kommen.

Entschleunigung ist also mein Vorsatz für 2019, und ich merke, dass ich mich ständig daran erinnern muss, denn der Alltag holt einen schneller wieder ein, als einem lieb ist. Jetzt, ein paar Wochen später im neuen Jahr, befindet man sich erneut drin in diesem Strudel, wie ein Hamster im Rad und eine Maschine, die einfach nur abarbeitet. Ich brauche also Dinge, die mich raus holen aus diesem Sog. Orientierungspunkte und kleine Oasen im Alltag, die mir eine Pause gönnen. Yoga könnte das sein, oder vielleicht auch einfach nur mal ’ne Runde um den Block. Ohne die Uhr im Nacken, und ohne ein schlechtes Gewissen. Tief Luft holen, durch schnaufen, weiter machen.

Ich finde, es ist auch kein Wunder, dass der Powerantrieb noch zögert, wenn es ausschließlich grau um einen herum ist! Was mir auch hilft für solche Depri-Phasen: sich mit Menschen umgeben, denen es genauso geht. Absolutes No Go: Mamis mit tiefenentspannten, Dauer-glücklichen Kindern. Freut mich ja riesig für Euch, dass Ihr solch engelsgleiche Goldstücke habt (not), kann ich nur leider gar nicht gebrauchen, wenn mir mein Nachwuchs lautstark und nervenbetäubend die Ohren weg brüllt. Mamas, mit denen ich gemeinsam auch mal jammern darf, sind mir die allerliebsten. Solche, die offen und ehrlich sagen: Mir geht mein Kind grad total auf die Nerven und ich freu mich so, wenn ich es endlich im Kindergarten abgegeben habe! Klingt hart, fühlt sich manchmal aber so an, und muss auch mal gesagt werden können. Gibt ja auch andere Zeiten, in denen wir wieder gar nicht genug von den kleinen Rackern kriegen können.

Und last but not least: Ein wenig Empowerment für einen selbst. Nimmt man sich lange vor und geht dann recht schnell, wenn man mit der liebsten Freundin beim Frühstücken sitzt, sich über diese grauen, unerträglichen Wintertage ausheult und schließlich beschließt: das muss anders gehen, und wir legen auch gleich damit los! Absoluter Tipp also: Post-It hervorkramen, Motivationsspruch drauf und ab damit an den Badezimmerspiegel. Bei meiner Schwiegermama hängt an den Fliesen der Satz: „Du bist so schön.“ Was besseres kann einem morgens nach dem Duschen doch gar nicht gesagt werden, oder?

Also: grau hin oder her, die Sonne kommt ganz bestimmt zurück. Und ja, leider wird auch der Alltagsstress wieder volle Latte Einzug halten – hier heißt es also: Augen und Ohren offen halten und rechtzeitig die Frischluft-Namasté-Notbremse ziehen. Und vielleicht auch mal den einen oder anderen Termin sauen lassen, wenn es einem zuviel wird. Die Welt dreht sich weiter, da bin ich mir sicher. Sollten alle Stricke reißen, bleibt ja immer noch die Option mit den Schafen irgendwo im Nirgendwo. Keine Ahnung, ob bei sowas der Mann dabei wäre, aber fragen… könnte ich ihn ja einfach mal.

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