Fünf – eine ganze Hand voll Glück

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Das Töchterchen ist fünf Jahre alt geworden. Fünf, mal eben so. Wenn sie jetzt gefragt wird, wie alt sie ist, versucht sie nicht mehr, ungeschickt die richtige Anzahl an Fingerchen in die Luft zu recken, sondern streckt einem einfach die ganze, offene Hand hin. Fünf. Eine ganze Hand voll Glück.

Eine fünfjährige Tochter zu haben bedeutet für mich im Umkehrschluss logischerweise, seit fünf Jahren Mama zu sein. Eigentlich schon viel länger, wenn man die 40 Wochen Schwangerschaft mitzählt – was ich tue, da ich damals mit den beiden leichtrosafarbenen Streifen des Schwangerschaftstests verzückt in die Mamawelt eingetaucht bin. Nie im Leben hätte ich mir da ausmalen können, wie es wohl gute 5 Jahre später aussehen würde, am Ende eines langen aufregenden, emotionalen Kindergeburtstags-Tages. Wie auch, ich hatte nur rosarotes Babyglück in Größe 56 im Kopf.

Mehr als fünf Jahre Elternsein

Fünf Jahre Mamasein heißt für mich und meinen Mann, dass wir zusammen jetzt schon länger Eltern sind, als wir zuvor Paar waren. Verrückt. Würde man die Zeit als Katzeneltern auch noch abziehen, kommen wir tatsächlich auf eine sehr überschaubare Zeit zu zweit. So eng will ich jetzt mal nicht sein. Bali, Portugal, Barcelona, Festivals,… Wir sind nicht viel, aber immerhin ein klein wenig herum gekommen, bevor der zwei- bzw. vierbeinige Nachwuchs in unser Leben trat. Und scheinbar haben wir schon früh festgestellt: Familie ist unser Ding, weshalb der Katzenzuwachs damals irgendwie eine Generalprobe für alles war, was folgte. Und ja, ich weiß, Katzen sind mit Kindern nicht wirklich vergleichbar, sie sind dennoch trotz allem Familienmitglieder mit Bedürfnissen und ja, auch mit Gefühlen. Bestes Beispiel ist unser roter Kuschelkater, der kurz nach dem Einzug des Töchterchens in tiefe Erschütterung verfiel, nachts lethargisch im Bett lag und nur mit der Telefonberatung der Tierrettung und ausgiebiger Bachblüten-Verabreichung wieder in den Normalzustand versetzt werden konnte. Ich glaube, er fühlte sich entthronisiert, und dem mittlerweile fünfjährigen Töchterchen ging es dann vor zweieinhalb Jahren ähnlich, als ihr kleiner Bruder geboren wurde. Heute ganz oft ein Herz und eine Seele und ein total bezauberndes Zweiergespann, in einigen Momenten gleichzeitig auch die allergrößten Streithähne, die mich jede Menge graue Haare kosten.

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Eine kleine, große Herausforderung

Ich bin also ohne Scheiß seit fünf Jahren Mutter. Mutter, dieses Wort. Tatsächlich fühlt es sich an manchen Tagen genau danach an. Nicht nach „ich bin Mama geworden“, sondern nach „Mutter“. Grüble ich darüber nach, was es für mich bedeutet, denke ich an Energie, an Kraft, an Müdigkeit, an ein echtes Stück Arbeit. Denn ja – Mamasein ist für mich ganz klar ein riesengroßes Glück, und gleichzeitig eben auch eine richtige Herausforderung, die mich immer wieder an meine Grenzen bringt. Momente, in denen ich durch einen lauten Nieser meinerseits, der nicht nur ein „Hatschi“, sondern auch über den ganzen Tag hin aufgestaute, explosive Energie nach draußen befördert, merke, wie platt ich bin. Und wie sehr mir dann ein kurzes, lautes „HATSCHI“ Erleichterung verschafft. Ein Moment, in dem ich endlich mal richtig laut werden kann, ohne gleich ein schlechtes Gewissen zu bekommen. Denn das habe ich oft, wenn meine Stimme mal die stärkeren Töne erwischt. Ich bemühe mich stets, nicht zu schreien, es gelingt mir jedoch nicht immer. Und all diese Gedankenspiele, sich am Feierabend einfach mal frei zu brüllen, auf ein Kissen zu hauen oder auf den Boden zu stampfen (zum Teil auch Dinge, die ich bei Wutausbrüchen auch immer wieder meinen Kindern vorschlage), verlaufen dann immer im Sande, da ich in just diesem Augenblick einfach nur selig auf dem Sofa und so gar nicht mehr aufgebracht bin. Ausrasten könnte ich ja immer nur in einem bestimmten Moment, wenn ich völlig hilflos und am Ende meiner Kräfte bin. Passiert ist es noch nie. Tief durchatmen, auf Durchzug schalten, innerlich bis zehn zählen und im Geiste davon beamen – und irgendwie geht es dann meistens.

Ein schlechtes Gewissen, das hatte ich bei meiner nun Fünfjährigen oft, als ihr Brüderchen auf der Welt war und es begleitete mich eine ganze Zeit. Bis heute gibt es immer noch Situationen, in denen ich das Gefühl habe, sie fühlt sich benachteiligt oder meint, sie käme viel zu kurz. Keine Ahnung, ob es mein schlechtes Gewissen ist, dessen Folge eine Art Einbildung dieses Gefühls erzeugt, oder ob es wirklich den Tatsachen entspricht. Vielleicht ist es eine Mischung aus beidem. Sie möchte immer wieder mal die Kleine sein, auf den Arm und getragen, in den Buggy und geschoben, oder auch mal ihren Schnuller zurück. Ich denke, sie möchte Gerechtigkeit, Aufmerksamkeit und die Gewissheit, genauso geliebt zu werden wie ihr kleiner Bruder. Diese vermeintliche Sehnsucht erzeugt bei mir gleichermaßen Traurigkeit, Verständnis, Verletzbarkeit und Mitgefühl. Manchmal bin ich genervt, wenn ich ihr zum x-sten Mal erzähle, wie lange sie eigentlich einen Schnuller hatte. Und dann wieder voller Liebe, wenn ich spüre, dass ich sie eigentlich nur Nähe, Zuwendung und Sicherheit braucht.

Fünf Jahre Müdigkeit sehe ich mir an

Schaue ich mir Fotos von vor fünf Jahren an und heute, so denke ich mir: Heidanei, bist Du alt geworden. Zwei Kinder, das hat echt einiges mit mir gemacht. Ein Kind ist ein Hobby, und zwei sind harte Arbeit. Der Satz spukt immer wieder in meinem Kopf herum und ich kann ihn schlicht und ergreifend einfach unterschreiben. Verstehen tue ich ihn erst jetzt, wenn ich in den Spiegel blicke und mich sehe: Müde, erschöpft und ganz schön ausgepowert. Und mindestens genauso ganz schön verliebt. In diese beiden kleinen, immer größer werdenden Wesen, ohne die ich mir mein Leben nie wieder vorstellen könnte. Ich sehe Falten an mir, die früher nicht da waren. Graue Haare, die mit dieser Handvoll Glück deutlich mehr geworden sind. Vermutlich würde ich auch ohne Kinder alt werden, keine Frage, vielleicht aber nicht ganz so schnell.

„Mama, lass uns den Kindern etwas mitgeben, damit sie sich immer an den Kindergeburtstag erinnern“, hatte das Töchterchen kurz vor dem Eintreffen ihrer Gäste zu mir gesagt. Meine Güte, bist Du groß geworden, hab ich mir da gedacht und sie einfach nur verzückt angesehen. Nur wenige Stunden später rutschte eine ihrer Freundinnen inmitten des Reise-nach-Jerusalem-Partygeschehens aus und brauchte von mir Trost, und ich erlebte diesen Déjà-Vu-Moment, der es in sich hatte: eine völlige Verzweiflung, durch sämtliche Gefühle ausgelöste Eifersuchtsdramatik auf Seiten des Töchterchens, die sich bis kurz vor Ende ihrer Party nur durch Tragen bei mir auf dem Arm beruhigen konnte. Fünf, das ist schon ganz schön groß. Und irgendwie immer noch ganz schön klein. Mein 16 Kilo Baby, happy birthday.

2 Kommentare bei „Fünf – eine ganze Hand voll Glück“

  1. TEACH YOUR CHILDREN –
    „… So just look at them and sigh and know THEY LOVE YOU!!…“
    (CSNY)

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