Immer schön langsam – die Sache mit den Vorsätzen

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Entschleunigung – so lautete mein Vorsatz, den ich mir für dieses Jahr gefasst hatte. Und was soll ich sagen? Irgendwie ist er mir natürlich nicht so ganz geglückt. Genauer gesagt: Ich habe es erst gegen Ende der Adventszeit (jaaaa, wirklich!) geschafft, einfach mal langsamer zu machen und mich ein wenig um mich zu kümmern. Und das tat erstaunlicherweise richtig gut.

Entschleunigung vs. Alltagswahnsinn

Den Alltag entschleunigen, darum ging es mir noch in den späten Wintermonaten dieses Jahres. Aber was sich dann ja schon im Sommer zwischen Kindergartenfesten und Wasserspielplatzmarathons abzeichnete, wurde im Herbst erst noch so richtig trubelig: der Mann viel unterwegs, ich im Job ganz schön eingespannt, und der Nachwuchs ist ja sowieso bekannt dafür, einen immer ordentlich auf Trab zu halten. Entschleunigung, Pustekuchen! Stattdessen gab es gefühlt das ganze Jahr über die gewohnte Mischung aus frühem Weckerklingeln, durchgetakteten Morgen mit Brotzeitdosen-Hochproduktion und Zahnputzdiskussionen, langen Radtouren ins Büro und dortigen Duracell-Aufenthalten, hektisches Losgestrampel Richtung Kita, um auch alle wieder pünktlich einzusammeln, und dann mal mehr, mal weniger vollen Nachmittagen. Drum herum Essensplanungen, Einkäufe, Haushalts-Organisatorisches, Katzen füttern, Bazare vorbereiten, Plätzchen backen, Geschenke kaufen, Geburtstage feiern, Steuer machen, Versicherungen kündigen, Schwimmkurse buchen, Klamotten auf Flohmärkten stöbern und unzähligen Dingen mehr. Dinge, die man eben so macht und die dazu gehören, im ganz normalen Alltags-Wahnsinn. Im Hinterkopf verfolgte mich zudem immer wieder der Gedanke an „Mental Load“, seitdem wir dazu in einer unserer Podcast-Folgen gesprochen hatten und ich ertappe mich hin und wieder dabei, wie ich am Abend unseren Tag scanne. Wer macht hier eigentlich wieviel, wer denkt an was und überhaupt: wer entscheidet, an was es zu denken gilt?

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Wir werden niemals fertig –  und das ist gut so!

Mir verinnerlichen, dass man niemals mit allem fertig wird, das versuche ich immer wieder – sowohl im Job als auch zuhause. Egal also, wie viele Projekte ich erfolgreich abschließe, wieviele Emails ich beantworte oder wieviele Wäscheberge wir zuhause erklimmen – alles kommt immer genauso wieder. Und zwar egal, wie schnell, langsam, effektiv oder effizient ich diesen Aufgaben begegne. Anstrengende Dinge hinter sich bringen zu wollen, um dann endlich entspannen zu können, ist eine totale Illusion. Es geht darum, diese Dinge wahrzunehmen, sie bewusst zu tun und als das anzunehmen, worum es im Leben eben geht. Egal also, ob ich zum 100sten Male die Puppen ins heiß geliebte Haus zurück räume oder die Kissen nach allabendlichen Schlachten und Schwimmbad-Spielen erneut aufs Sofa zurück staple – ich werde das auch morgen, übermorgen und all die Tage danach wieder tun. Vermutlich bis zu einem Tag, an dem ich es nicht mehr machen muss, und es mir dann schrecklich fehlen wird. 

Entschleunigung ist einfach nicht mein Ding

Entschleunigung also, danach hatte ich mich doch so sehr gesehnt. Anfang dieses Jahres lag mir die verzauberte Zeit zwischen den Jahren noch lange auf der Seele und ich empfand ein richtiges Motivationstief, mich in den Alltgstrubel zurück zu manövrieren. Ich wollte Pausen einplanen, mich nicht mehr so stressen lassen, alles ruhig angehen. Einen Yoga-Kurs machen, weniger Termine. Bis ich irgendwann festgestellt habe: Dieses ganze „Ruhiger, Weniger, Entschleunigter“, das kann ich mir noch so sehr vornehmen, das bin halt absolut nicht ich. Ich mag Trubel. Ich mag Programm. Völlig klar: dieser ätzende Zeitdruck jeden Morgen und Mittag macht mir ganz schön zu schaffen; die Alternative, einfach nicht zu arbeiten, wäre für mich aber genauso wenig eine Lösung. Ich mag meinen Job, und ich bin eben auch gerne auf Achse.

Was mache ich also, wenn es mit mir und der Entschleunigung nicht so recht klappen will? Ich habe gemerkt, dass der Begriff für mich einfach nicht der richtige ist. Denn er setzt mich irgendwie erneut unter Druck, und zwar damit, dass ich etwas verändern muss. Mein schnelllebiger Alltag, der anderen oft als super hektisch, aufreibend und mega stressig erscheint, wird erstmal so bleiben. Und die Prämisse, ihn ständig verlangsamen zu wollen, macht mich eher noch mehr wuselig. Ich stelle damit selbst Erwartungen an mich, die schon im Vorfeld zum Scheitern verurteilt sind, weil ich sie gar nicht erfüllen kann. Und vielleicht auch gar nicht erfüllen will.

Jetzt kümmere ich mich um mich!

Selbstfürsorge, das passt für mich besser. Mir Zeit zu nehmen für mich, mich um mich zu kümmern, wenn ich Zeit dazu habe bzw. dafür aufbringen möchte,  und vor allem öfter in mich hinein hören, wie es mir bei all dem Trubel so geht. Die absolut unstade Adventszeit habe ich also mit all ihrem Plätzchen backen, dem Weihnachtsgefeiere und sämtlichen Fensterdekobastelaktionen so hingenommen, wie sie ist: alles andere als entschleunigt. Mir ist es jedoch gelungen, in mich zu horchen, den einen oder anderen Termin abzusagen und mir stattdessen Momente nur für mich alleine frei zu schaufeln. Für einen Weihnachtsmarkt-Bummel mit der Schwiegermama, für ein Frühstück mit der Lieblingsnachbarin oder auch für einen ganzen Wellness-Nachmittag nur für mich. Dass das alles richtig gut getan hat, merke ich jetzt an den freien Tagen, zwischen den Jahren, die ich ebenso sehr herbei gesehnt hatte wie letztes Jahr, die ich gefühlt aber nicht so dringend gebraucht habe wie zuvor. Bestimmt, weil die Akkus zum Start in die Weihnachtsfeiertage durch ein wenig Selbstfürsorge im Advent schon ein paar Prozent aufgeladen waren; vielleicht aber auch, weil ich mir aufgrund unserer Pläne für diese Zeit jetzt gar nicht so viel Ruhe und Langeweile erwartet hatte.

Mich mehr um mich kümmern, so lautet also der neue Vorsatz. Und ich nehme mir dieses Mal fest vor, es mit ihm ganz langsam anzugehen.

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