Corona – Gedankenchaos während die Welt Kopf steht

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Schon seit Tagen schreibe ich diesen Blog-Beitrag in meinem Kopf, beim Einschlafen und Fahrradfahren, beim Aufräumen und Hände waschen, und jetzt kann ich mich gerade gar nicht entscheiden, wo ich vor lauter mentalem Corona-Chaos anfangen soll. Vielleicht war es auch einfach ein wenig viel in den letzten Wochen: Der Tod unserer Uroma, der dadurch gestrichene New York Urlaub, dann der Virus und jetzt spontan wochenlanges Kitafrei – puh. Ich schwanke zwischen hysterischen Lachanfällen, weil inzwischen einfach alles so surreal und absurd ist, leichten Panikattacken bis hin zu Schnappatmung. Letzteres ist vielleicht (noch) übertrieben, aber ich frage mich nahezu andauernd: In was für einer Welt leben wir gerade eigentlich? Und passiert das alles wirklich?

Kann mich bitte jemand aufwecken?

Manche Menschen können das vielleicht gut, sich jetzt zurück lehnen und runter fahren. „Jetzt haben wir Zeit, uns aufs Wesentliche zu konzentrieren“ und „darauf, was wirklich zählt“. Mag sein, dass das einigen ganz gut gelingt, jetzt weniger zu machen. Ich für meinen Teil bin nur eher nicht Typ Entschleunigung, ich brauche etwas zu tun. Ich mag meinen Job und ich mag es, mit den Kindern unterwegs zu sein. Hier ist es überhaupt nicht so, dass wir täglich verschiedene Kurse und fest gebuchte Freizeitaktivitäten haben, absolut nicht. Aber wir sind im Theater, in Cafés, auf Spielplätzen, nehmen an Bastelnachmittagen teil und hängen bei Freunden ab. Und jetzt?

Alles, was wir in nächster Zeit geplant haben, ist aufgrund der Corona-Pandemie gecancelt worden. Angefangen beim heutigen Spieldate oder meinem geplanten Kabarettbesuch am Mittwoch, über das Familienwochenende mit dem Kindergarten im April oder die Blogfamilia-Konferenz Anfang Mai – gestrichen. Zwischen all diesen Absagen, Caféschließungen und Ausgangssperren in anderen Ländern ist mir einfach mulmig zumute und ich muss versuchen, mich nicht hinein zu steigern. Mir kommt es einfach auch gänzlich bescheuert vor, dass Menschen aufeinander treffen und weder die Hand gegeben noch um den Arm gefallen wird. Mir ist der Ernst der Lage durchaus bewusst und natürlich weiß ich auch, weshalb das jetzt auf jeden Fall sein muss. Ich drücke nur fast immer und jeden, den ich kenne und mag, und jetzt lautet die Ansage: 1,5 Meter Abstand? What?! Das kann doch einfach nur ein Traum sein – kann mich bitte jemand aufwecken?

Ich brauche Selbstfürsorge und Struktur

Es weckt mich aber niemand, also musste ich heute Mittag dann einfach mal kurz raus. Sport-BH an, Pulli drüber und ab vor die Tür für eine Runde um den Block. Joggen ist eigentlich gar nicht so mein Ding, aber wer weiß: vielleicht fange ich durch Corona jetzt damit an. Das hat nämlich verdammt gut getan, schnelle 15 Minuten durch die Sonne zu laufen und die letzten Meter zu sprinten, um mich dann auch wirklich ausgepowert zu fühlen. Methoden für die Selbstfürsorge zu finden, zählt jetzt mehr denn je, finde ich – vor allem, um hier in nächster Zeit einen Lagerkoller oder Schlimmeres zu vermeiden. Ich habe tatsächlich auch schon nach nem Boxsack gegoogelt und finde auch Ohrenschützer keine schlechte Option. Vielleicht packe ich jetzt auch endlich mal die Yogamatte aus, die seit Ewigkeiten in der Ecke steht und vorrangig von den Kindern als Spielteppich genutzt wird, wer weiß.
Corona-Ferien. Fünf Wochen also, die wir ab sofort mit den Kleinen zuhause sein werden. Und nicht nur das, sondern auch fünf Wochen, in denen unser Büro hier daheim sein wird. Home-Office mal zwei trifft auf Kinderbetreuung mal zwei – das geht meiner Meinung nach nicht ohne Struktur. Ein etwaiges Wischiwaschi und „wir schauen einfach mal“ – das ist nichts für mich. Das Gästezimmer wird jetzt übergangsweise zum Büro umfunktioniert. Dank lieber Nachbarn haben wir einen Schreibtisch am Start, jetzt wird noch verkabelt und los geht’s. Ein Stundenplan ist in Arbeit – wer arbeitet von wann bis wann, und wer betreut von wann bis wann die Kinder. Vielleicht ist jetzt auch mehr Zeit für den Podcast, ich bin hochmotiviert.

Für die Kinder heißt Corona jetzt einfach ganz lange Ferien

Ob wir für die Kinder auch einen Plan aufstellen? Vermutlich nicht. Für die wird das sicherlich Umstellung genug, wenn das Gästezimmer zu ist und es dort ab sofort Bürozeiten gibt. Unsere beiden hängen auch wahnsinnig gerne zuhause rum, vergnügen sich im Schlafanzug bis zum frühen Nachmittag mit Rollenspielen oder sortieren das Puppenhaus mit dem Baukran um. Eigentlich die Standardversion eines Wochenendtages, an dem wir keine Pläne haben. Was soll’s? Dann ist für die beiden jetzt einfach fünf Wochen lang Wochenende. Zum Glück ist hier noch kein Home Schooling angesagt – bei Eltern mit Schulkindern sieht das bestimmt schon wieder anders aus. Hier könnte ich mir auch gut vorstellen, dass eine gewisse Routine dann ihre Berechtigung hat.

Ich bin wirklich gespannt, was es mit uns macht, wenn wir jetzt alle Vier in der Wohnung aufeinander hocken werden (falls es soweit kommt). Ein Teil von mir freut sich auch darauf, soviel Intensivzeit mit meinen Liebsten hier zu haben. Denn ohne Frage sind diese drei ganz bestimmt meine Favoriten, wenn es darum geht, mit jemandem „eingesperrt“ zu sein. Die Ansteckungsgefahr ist damit ja drastisch reduziert, und auch mangelnde Beschäftigung zählt eher nicht zu meinen Sorgen. Kreativ-Tipps für die Corona-Ferien gibts im Netz jetzt sowieso schon en masse, und sicherlich darf auch der Medienkonsum in den nächsten Wochen ein wenig steigen. Täglich die Sendung mit der Maus kucken, damit kann ich leben. Ich grübel eher darüber nach, wie es mit der beruflichen Vereinbarkeit so wird, und natürlich auch, wie es dann wirtschaftlich aussehen wird, wenn alles überstanden ist. Was noch spannend wird, ist, wie es wohl unsere Stubentiger so verkraften werden, denn die müssen uns ja jetzt auch alle Vier rund um die Uhr ertragen. Aber dafür gibt es dann sicherlich auch die eine oder andere Empfehlung auf einschlägigen Haustierwebsites.

Wir haben einfach nicht alles in der Hand

Und last but not least gibt es auch den Gedanken, dass es uns vielleicht gar nicht mal so schlecht tut, diese Corona-Erfahrung jetzt zu machen. Wenn man nämlich merkt, in welch privilegierten Verhältnissen wir hier eigentlich leben, wenn wir jetzt Schlange stehen, um Klopapier zu horten, während an den Grenzen die Flüchtlingsfamilien in der Kälte schlafen. Hier bleibt nur, darauf zu vertrauen, dass jetzt insgesamt, von der Bundesregierung und auch von jedem Einzelnen, die richtigen Maßnahmen ergriffen werden, um sowohl die Kurve abzuflachen als auch in all dem Trubel die Menschen auf der Flucht nicht zu vergessen. Und ganz egal, ob wir nach den nächsten Wochen einen Familientherapeuten brauchen werden, ein Lifting für die Stirnfalten angesagt ist oder ich mir vielleicht auch einfach neue Laufschuhe anschaffen muss, weil sie bis dahin durch gelaufen sind – eines wünsche ich mir mit Blick nach Italien von Herzen: Dass auch wir hier es schaffen, solidarisch zu sein und Flash-Mob-Chöre für alle Pfleger*innen und Ärzt*innen vom Balkon zu schreien. Durch müssen wir da jetzt sowieso alle, ob wir wollen oder nicht. Es gibt eben Dinge, die haben wir nicht in der Hand.

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