Aller guten Dinge sind… zwei! Gedanken über ein drittes Kind

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Zwei Tage überfällig. Verdammt. Ich weiß, das muss noch lange nichts heißen, aber mir schießt sofort dieses eine Mal in den Kopf, wo wir nicht so gut aufgepasst haben… verdammt, verdammt! Was, wenn genau das jetzt ein Volltreffer war und in meinem Körper bereits wieder alles auf Hochtouren lief? Was, wenn dieser Moment voller Liebe und Leidenschaft ernsthafte Konsequenzen nach sich zöge? Was, wenn ich mit einem dritten Kind schwanger wäre?

Mein längst zurück eroberter, wohl verdienter Feierabend ab acht, wenn die Kinder schlafen, verabschiedet sich gedanklich bereits in weite Ferne, und vor meinem geistigen Auge erscheint ad hoc dieser riesige, knallgrüne Pezziball, der uns im ersten halben Lebensjahr unseres Sohnes ein ständiger Begleiter war. Ich grüble kurz drüber nach, ob wohl die Fönapp noch auf meinem Handy installiert ist und frage mich gleichzeitig, ob ich diesem Wahnsinns-Schlafentzug, den das Babyjahr meist so mit sich bringt, erneut gewachsen wäre. Stündliches Stillen nachts war bei uns keine Seltenheit, beim Töcherchen schon nicht und beim Sohnemann gleich noch viel weniger. Bei letzterem gab es nur schon die größere Mini, die durch schlechte Träume oder einfach so eben auch noch aufwachte. Herrje.

Ich saniere die Wohnung

Schwitzperl. Bei Dingen, die mir Angst machen, komme ich schnell vom Hundertsten ins Tausendste und verfalle in eine Mischung aus gedanklicher Hysterie und von Panikattacken bedrohtem, übereifrigen Aktionismus. Wie würde ein Leben mit drei Kindern in unserer eben erst erworbenen 4-Zimmer-Wohnung aussehen? Erneut umziehen käme auf keinen Fall in Frage, denn noch einmal umgewöhnen und neu eingewöhnen würde ich meinen Zweien niemals zumuten. Während ich also auf Pinterest nach Hochbetten für Erwachsene recherchiere, reiße ich gedanklich Wände in unsere Bude ein und ziehe andere hoch. Im Zweifelsfall müssten entweder wir Eltern in einer Art Sauna-Kajüte in der großen Wohnküche schlafen, um noch irgendwie Privatsphäre zu haben, oder der Nachwuchs würde sich mit 4-5 qm großen Kinder- ( und irgendwann Jugend-) Zimmern begnügen müssen. Hart, aber machbar. Aber auch gewollt?

Von der Wohnsituation abgesehen, schwinden mit einem dritten Kind etwaige Fernreisen in naher Zukunft zurück in den Urlaubskatalog, aus dem ich sie ausgegraben hatte. Ebenso wie der Master, den ich vor ein paar Tagen irgendwie mal wieder in Erwägung gezogen hatte. Ich überlege kurz, ob ich den Taschenrechner raus holen und unseren Haushalt neu kalkulieren sollte. Würden wir ein weiteres Mal Elterngeld finanziell verkraften? Ich dachte an den Wegfall der Betreuungskosten und schöpfte für einen Moment Hoffnung. Aber wäre da auch ein neues Auto (das es bei drei Kindern ja braucht) und die Sanierung unserer Eigentumswohnung mit drin? Verdammt.

Ich schätze unsere familiäre Bindung unter uns Vieren tatsächlich so stark ein, dass ich uns ein Leben im Schuhkarton zutraue. Und wer braucht in München schon ein Auto? Wir fahren ja eh so gut wie immer mit dem Rad. Hier in der Umgebung ist es auch schön, auf Urlaube in fernen Ländern könnte ich also ebenso verzichten. Spart Geld für den Familieneinkauf, und ökologischer ist es sowieso. Doch wie steht es eigentlich mit meiner Kraft? Hätte ich ausreichend Energie und Nerven für ein weiteres Kind? Ich rufe mir einen der vielen Momente in den Kopf, bei dem ich vor lauter Gebrüll und Wut nur noch hilflos daneben stehe und zwischen Mitschreien und Weglaufen schwanke.

Ohne Unterstützung geht es nicht

Ich komme schnell zu dem Ergebnis, dass wir es wohl nicht ohne Hilfe schaffen würden und grübel kurz darüber nach, ob ich mal eben bei meiner Schwiegermama anklopfen solle. Vielleicht denkt sie ja eh längst über eine Versetzung nach Bayern nach? Ich entscheide mich trotz Verlockung gegen den Anruf, um sie nicht unnötig verrückt zu machen, und belasse den Gedanken als wichtige Option im Hinterkopf. Denn wie sähe ein Leben mit drei Kindern und zwei berufstätigen Eltern ohne Großeltern in der Stadt aus? Ohne jemanden, der einem eins, zwei oder auch alle drei hin und wieder mal abnimmt? Schon mit Zweien ist es manchmal gar nicht so leicht, einen Babysitter zu finden, und das würde sich bei noch einem mehr sicherlich nicht unkomplizierter gestalten. Bereits jetzt sind die Pärchenabende und Zeit für sich-Momente überschaubar – zu fünft stellte ich mir alles irgendwie noch schwieriger vor.

Ich überlege, wie es wohl die Kinder finden würden, wenn ich ihnen von einem weiteren Geschwisterchen erzählen würde. Das Töchterchen liegt uns seit Monaten damit in den Ohren, dass sie unbedingt noch ein Baby will. Und das, obwohl ihre eigene Entthronung durch den kleinen Bruder nicht immer die einfachste war! Wickeln und stillen würde sie mir überlassen, das hatte sie schon klar gestellt. Alles andere könne sie selbst übernehmen – kein Problem! Wenn ich daran denke, wie sehr sie ihre Puppen herzt und wiegt, stelle ich es mir mit einem echten Brüder- oder Schwesterchen tatsächlich total süß vor. Aber was würde ihr zweijähriger Bruder dazu sagen, der all ihre Liebkosungen jetzt in vollem Umfang genießt? Für den hätte sie dann leider keine Zeit mehr, dass hatte sie mir auch schon zu verstehen gegeben.

Daran denke ich tatsächlich am meisten: Wie würde es die Beziehung meiner Beiden untereinander beeinflussen, käme da jetzt noch jemand? Inzwischen spielen sie fast täglich super schön miteinander. Natürlich kommt es immer wieder zu Konflikten, keine Frage. Aber ich finde, sie geben sich gegenseitig so viel und bedeuten einander die Welt – ich hätte irgendwie fast Angst, dass ein Dritter im Bunde die Innigkeit zerstören könnte. Würden sich dann immer zwei verbünden, oder spielen dann einfach alle drei? Zumal ich auch die Vorstellung als komisch empfinde, dass unser Jüngster nicht mehr mein Baby wäre, sondern die Rolle des Mittelkinds übernehmen würde. Klar will er jetzt oft der Große sein und alles „leine“ machen. Aber wie erginge es ihm, würde meine Aufmerksamkeit jemand Kleinerem gelten? Irgendwie kann ich ihn mir noch nicht so recht als Sandwichkind vorstellen… vermutlich würden wir beide hinein wachsen müssen. Uff.

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Aufatmen…

Ein Ziehen im Unterleib lässt meine Sorgen schwinden. Wenige Stunden später schwimme ich auf der roten Welle und ein Stein fällt mir vom Herzen. Vielleicht sind es 1, 2 Prozent meiner Seele, die sehnsüchtig an Babyduft und Tragetuch denken; der ganze Rest ist einfach nur frei. Wieder eine Erfahrung reicher, nehme ich mir fest vor, das Thema Verhütung bei nächster Gelegenheit noch einmal verstärkt auf den Tisch zu bringen. Ich denke an den Satz „nie wieder diese Schmerzen“ einer lieben Freundin aus einem unserer letzten Podcast-Gespräche und öffne mir ein Bier. Erleichterung beschreibt alles, was ich fühle. Vielleicht braucht es manchmal solche Erkenntnisprozesse, um zu wissen, was man will. Zumindest für den Moment, denn wer weiß schon, was noch so kommt?

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